Das Jahr 1939: "Drole de Guerre"- der Sitzkrieg | |
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| An einem Sonntag, dem 3. September 1939, erklären Grossbritannien und
Frankreich Deutschland, dass am 1.09.1939 Polen angegriffen hat, den Krieg. Doch der
Französische General Gamelin denkt keineswegs an einen Angriff auf die deutschen Truppen,
der von den Polen erwartet wird. Er lässt nur die Maginot-Linie besetzen und verlegt
dahinter eine recht schwache "Deckungsarmee". Die Generalmobilmachung der Franzosen läuft
erst langsam an, für den Aufmarsch der gesamten mobilen Kräfte sind drei Wochen
vorgesehen. Nun führt Frankreich, dessen Soldaten überhaupt keine Lust darauf haben, "für
Danzig zu sterben", und das nur noch England als Verbündeten von Bedeutung hat, einen Krieg
für Polen. Insgesamt kann man wohl sagen das dies ein sehr unüberlegter Schritt ist, weil
die französische Luftstreitmacht hoffnungslos unterlegen, die Armee nur auf dem Papier
stark und die Nation innerlich gespalten ist. Einen nicht wieder gutzumachenden Fehler leisten sich die Franzosen bei der Mobilmachung: Man zieht gleich zu Beginn auch die unersetzlichen Facharbeiter ein, daher müssen wichtige Rüstungsbetriebe schliessen. So werden z.B. von den Renaultwerken 22.000 Arbeiter zum Militär einberufen. Mehrere bedeutende Flugzeugwerke müssen sogar geschlossen werden, und in den verbleibenden Rüstungsbetrieben wird vorwiegend nur mit einer Schicht gearbeitet. |
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| Am Mittwoch, dem 6. September 1939, beginnt Frankreich - durch den Bündnisvertrag mit Polen zur Offensive verpflichtet - mit schwachen Kräften der 4. Armee eine symbolische Operation im Raum Saarbrücken. Das von den Deutschen geräumte Vorfeld des Westwalls wird zeitweise besetzt. Die Franzosen und Engländer starten jedoch keine grössere Aktion, und sehen tatenlos und ängstlich zu wie Polen überrollt wird. Die von Basel bis zur deutsch-luxenburgischen Grenze reichende Maginot-Linie hat eine Länge von 400 km, und der anschliessende Frontabschnitt bis zum Rhein nordwestlich von Wesel ist 250 km lang. Diese riesige Front soll die Heeresgruppe (GenOberst Ritter v. Leeb) mit 12 aktiven und 32 Reserve- sowie Landwehrdivisionen verteidigen. Die Landwehrdivisionen müssen allerdings erst noch Mobil gemacht werden, sind aber, was Ausbildung und Ausrüstung abelangt, nicht voll einsatzfähig. Ausserdem hat die Heeresgruppe C keine Panzer. Dazu kommt noch das der Westwall überhaupt nicht mit der Maginot-Linie zu vergleichen ist, er stellt kein grosses Hindernis dar. | |
| Am Samstag, dem 9. September 1939, kommen die ersten Truppen der British Expeditionary Force (BEF) unter General Lord Gort an. In den nächsten Monaten werden rund 160.000 Mann, 24.000 Fahrzeuge und über 14.000 Tonnen Nachschub ohne Verluste über den Kanal nach Frankreich transportiert. | ![]() |
| Bis zum Sonntag, dem 17. September, sind die Franzosen auf einer Front
von 27 km Breite und 5 km Tiefe vorgerückt. Damit ist die erste und letzte Offensive der Franzmänner
beendet. Die Deutschen Divisionen an der Grenze zwischen Aachen und Basel verfügen lediglich über
ein paar Panzer und Munition für drei Tage! In der Zwischenzeit überrollen deutsche Verbände die Polnische Armee. Generaloberst Jodl erklärt später: "In Polen sind wir bei der bestehenden Munitionsknappheit nur zurechtgekommen, weil es im Westen zu keiner Schlacht kam". Oktober: Als nach Beendigung des Polenfeldzuges die im Osten freigewordenen deutschen Verbände an die Westfront verlegt werden, ziehen die Franzosen den Schwanz ein, und räumen den grössten Teil es bisher von ihnen besetzten Grenzgebietes. |
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| Am Montag, dem 9. Oktober, befiehlt Hitler die Vorbereitung eines
Angriffs im Westen. Sein Ziel: Die Eroberung Hollands, Belgiens und Nordfrankreichs, als
Ausgangsbasis für einen Schlag gegen England. Hitler besteht darauf, Belgien in das Operationsgebiet
einzubeziehen. Er will erstens Bewegeungsfreiheit gewinnen und die französische Maginot-Linie
umgehen, zweitens der Gefahr vorbeugen, dass britrische und französische Truppen in Belgien
eindringen "und dadurch den Krieg dicht an das Herz unserer Rüstungsindustrie tragen". Die Zeit ist knapp, denn innerhalb von drei Wochen, bis zum 1. November 1939, sollen beim OKH bereits die Vorschläge für strategisch wichtige Täuschungsmassnahmen eintreffen. Da Hitler als ersten Angriffstermin im Westen den 12. November 1939 bestimmt hat, muss das gesamte Täuschungsprogramm vom 5. November an startbereit sein. Am diesem Tag, dem 9. Oktober 1939, verständigt Oberst Oster, Leiter der Zentralabteilung der Abwehr, den mit ihm befreundeten niederländischen Militäratache, Major Gijsbertus Sas, von den geplanten Angriff auf Belgien, bei möglicher Schohnung Hollands. Oster ist seit der Ermordung von Ernst Röhm und anderen führenden Personen im Juni 1934 ein überzeugter Gegner des NS-Regimes, der Kontakte zu anderen Hitlergegnern innerhalb des Militärapparates unterhält. Diese Warnung ist die erste von vielen weiteren Nachrichten, die Oberst Oster in den nächsten sieben Monaten übermittelt. Da aber immer wieder der Angriff verschoben wird, und damit die angekündigten Ereignisse nicht stattfinden, wird die Glaubwürdigkeit von Oster angezweifelt. Am Donnerstag, den 19. Oktober 1939, ist der erste Offensiv-Aufmarschplan der OKH für einen Angriff im Westen fertig. Etwa zur gleichen Zeit gelingt es deutschen Geheimschriftexperten, den französischen Militärcode zu knacken. Der abgehörte Funkverkehr bestätigt, dass sich an der Nahtstelle bei Sedan zweitrangige Divisionen befinden. Nun werden auch die ersten Massnahmen zur Täuschung getroffen, den Einheiten der 7.Armee wird befohlen, Altwasserstellen am Rhein zu suchen an denen man das erbeutete Brückenbaugerät der Polen und Tschechen testen kann. Es wird zwar nicht direkt am Rhein, aber trotzdem sichtbar für den Feind gelagert. Die Posten der französischen und schweizerischen Seite registrieren sorgfältig die Zahl der eingesetzten Soldaten, die Art des Gerätes und was sonst noch militärisch interessant ist. Da ein Angriff auf die Maginot-Linie keine Erfolg verspricht, wird dieser von der Heeresgruppe C (GenOberst Ritter v. Leeb) am linken Flügel des Aufmarsches nur vorgetäuscht, hier sollen und müssen starke Truppen der Franzosen gebunden werden, damit die Heeresgruppen A und B im Norden überhaupt Erfolg haben können.Von einem auf den anderen Tag, wie aus dem Boden geschossen, künden Hinweistafeln zwischen Luxemburg und Basel von einer gewaltigen Militär-Sperrzone. Was sich dahinter verbirgt, kann jeder nach seiner eigenen Phantasie vermuten. Sogar die Umgruppierungen nach dem Sieg über Polen werden dazu genutzt die Franzosen zu täuschen: Die Verbände der aus Polen zurückkehren und nun die Heeresgruppen A und B verstärken sollen werden zuerst durch den Abschnitt der Heeresgruppe C geleitet. Die im grossem Rahmen durchgeführten Täuschungsoperationen bewirken damit schon jetzt die französische Niederlage, da diese voll darauf reinfallen. Ende Oktober 1939 beordert Hitler den Kommandant der 7. Fliegerdivision, Genaralmajor Student, zu sich. Dem überraschten Generalmajor wird der Plan zur Eroberung der Festung Eben Emael vorgelegt, die als stärkste Festung in Europa gilt, sie soll durch Fallschirmjäger genommen werden. Die Landung erfolgt mit Lastenseglern im ersten Büchsenlicht und soll die Verteidiger überraschen. Am Sonntag, dem 5. November 1939, eine Woche bevor wie geplant die Offensive im Westen, der "Fall Gelb", beginnen soll, unternimmt Generaloberst v. Brauchitsch den letzten Versuch, bei Hitler eine Verschiebung des Angriffstermins durchzusetzen. Seine Begründung: Die vorgesehene Neuaufstellung von 24 Divisionen brauche ihre Zeit und auch die Zuführung der schweren Panzer kann erst in den nächsten Monaten erfolgen. Am Sonntag, dem 12. November 1939, soll 15 Minuten bevor die Sonne aufgeht der Angriff im Westen beginnen, doch plötzlich einsetzender Regen verlangt einen Aufschub der Offensive, denn man braucht unbedingt gutes Wetter damit Luftwaffe und Panzer die gleichen hervorragenden Erfolge wie in Polen haben sollen. Den ganzen November über regnet es nun in Strömen, die Flüsse schwellen an und treten über die Ufer. Da man im Dezember nicht angreifen will,und kann, wird die Offensive auf das Frühjahr 1940 verlegt. Unterdessen zerbricht man sich, im Oberkommando des Heeres, die Köpfe darüber wie man die Panzerkräfte zum entscheidenden Vorstoss gegen die alliierte Streitmacht einsetzt. Sowohl General Guderian als auch Generalleutnannt v. Mannstein, Chef des Stabes der Heeresgruppe A (GenOberst Rundstedt), fordern das Zusammmenfassen der Panzerkräfte, um an einer bestimmten Stelle der Front den Durchbruch zu erzielen und ihn dann derart zu erweitern, damit die Schnelligkeit der Panzerwaffe ausgenutzt werden kann. Manstein ist davon überzeugt, dass der Gegner mit einer Wiederholung des Schlieffenplanes von 1914, dem Vorstoss über Belgien in Richtung Paris, rechnet. Daraufhin schlägt er vor, den Angriff an einen Abschnitt zu starten an dem der Gegner am wenigsten damit rechnet, die Ardennen, dort wo die Maginot-Linie endet. Karte Dieses waldreiche, unwegsame Gebirge, das einen Panzerangriff kaum zulässt, ist von den alliierten nur schwach gesichert. Von hier aus wird die linke Flanke der an der belgisch-französischen Grenze versammelten Truppen aufgerollt. Generaloberst v. Rundstedt stimmt Mansteins Idee zu. Sein Memorandium wird dem Oberkommando des Heeres übermittelt. Der altmodische und übervorsichtige v. Brauchitsch aber auch Halder lehnen Mansteins Plan kategorisch ab. Während der Führer im Winter 1939/40 die Vorbereitungen für den Angriff auf Frankreich vorrantreibt, wächst im Generalstab eine zeitweilig sogar verschwörerische Formen annehmende massive Opposition der massgeblichen Befehlshaber. Hitler setzt dessenungeachtet seine Idee der Westoffensive durch. |
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